Traces of light

Elsbeth Horbaty
Since 10/2024 22 Episoden

#22 Hamsterrad. Zusammenbruch. Neustart.

Urs Roth über Krise, Berufung und die Liebe zur Geometrie

27.01.2026 36 min

Zusammenfassung & Show Notes

Was passiert, wenn der Körper plötzlich STOPP sagt – und du merkst, dass du jahrelang mehr funktioniert als gelebt hast? Elsbeth Horbaty besucht Urs Roth in Winterthur im Haus Zusammenhalt. Urs erzählt von seinem Zusammenbruch mit 46, dem mutigen Neuanfang trotz Familie und finanzieller Durststrecke – und davon, wie er seine eigentliche Leidenschaft Geometrie zum Beruf machte. Heute, mit 80, geht er täglich ins Atelier und arbeitet weiter an Formen, Mustern und ungelösten Fragen.


Highlights & Themen


  • Der Wendepunkt: Hörsturz, Krankenhaus – und der Satz der Ärztin, der alles verändert
  • Neuanfang trotz Verantwortung: Familie, Existenzdruck, „unten durch“ – und trotzdem losgehen
  • Geometrie als Kulturgut: von „Schulfach“ zu schöpferischer Kraft
  • Großprojekte & Musterwelten: von Fassaden bis zu „quasi-chaotischen“ Strukturen
  • Was Urs seinem 46-jährigen Ich sagen würde: „Hör auf dein Inneres.“
  • Glück jenseits von Status: Entdeckungen, Arbeit, Enkel – und diese kleinen „Juchzer“-Momente

Zu Gast: Urs Roth


Urs Roth ist in der Schweiz bekannt als „Geometrieingenieur“ – ein Spezialist für geometrische Fragestellungen in Architektur, Gestaltung und (teils) mathematischer Forschung. In dieser Episode spricht er offen über Krise, Mut und den langen Weg, die eigene Berufung wirklich zu leben.



Links & Empfehlungen aus der Folge



Meine Fragen meine Hörer:

In welchen Momenten hast du das Gefühl, ganz du selbst zu sein – nicht nur zu funktionieren?
Und: Wie sähe dein Alltag aus, wenn du öfter aus diesem inneren Ort heraus entscheiden würdest?


Credits


Musik: Aufnahmen von Assel Abilseitova (Klavier) und Sergio Marin (Violine) – „Requiem ohne Worte – eine Messe in Tönen“.

Transkript

Willkommen bei Traces of Light. Elsbert Horbati nimmt dich mit auf die Suche nach Menschen und Gemeinschaften, die in diesen schwierigen Zeiten Mut machen. Es gibt in unserem Leben immer wieder mal Momente, wo wir uns überlegen, mache ich eigentlich das, was mir wichtig ist? Funktioniere ich einfach oder lebe ich wirklich das, was ich gerne mache? Und dann die Frage, woran merke ich überhaupt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, mein Leben so zu realisieren, wie ich es mir erträumt habe? Manche sagen, dass wir alle eine Art innere Kern in uns haben, der weiss, was uns lebendig macht. Ein Kern, der uns sagt, das bin ich, so fühle ich mich gut. In meinem Podcast Races of Light suche ich nach Menschen, die Mut machen. Menschen, die an Wendepunkten standen und ihr Leben umgestaltet haben. Heute bin ich in Winterthur im Haus Zusammenhalt und spreche mit Urs Roth, mit dem ich 7 Jahre lang eine WG geteilt habe. Er feiexrte vor ein paar Tagen seinen 80. Geburtstag. Er ist ein Mann, der nach einer tiefen Lebenskrise mit 46 den Mut gehabt hat, endlich doch einmal wieder von Neuem zu beginnen und seiner eigentlichen Leidenschaft zu folgen, der Geometrie. Hier erzählt er mir seine Geschichte und davon, wie viel Kraft es braucht, dem zu folgen, was einem wirklich glücklich macht. Also wir sind hier im Gebäude Zusammenhalt. Das ist eine Mischung zwischen zusammen alt werden und zusammen halt geben. Hier in Winterthur, vielleicht machen wir einen späteren Zeitpunkt mal etwas über diese Genossenschaft. Ich bin hier mit Urs Roth. den ich seit fast 15 Jahren kenne. Ich habe ihn im Kopf als Architekt, aber er würde jetzt unsere Geschichte erzählen, dass er eigentlich Geometer ist. Also, genau gesagt, ursprünglich wollte ich Mathematik studieren, habe dann aber statt Mathematik Architektur studiert. Heute bin ich in der Schweiz bekannt als der erste und einzige Geometrieingenieur. Eine Berufsbezeichnung, die Sie vermutlich noch nie gehört haben. Sie entstand spontan in einem Interview mit der Chefredaktorin des TECH 21, die fand, das ist ja eigentlich ihr Beruf, sie ist ein Spezialist für Geometrie und arbeiten wie ein Ingenieur für das Tragwerk oder für die Haustechnik als Konsulent für Architekten. Genau, und ich bin hier, weil mir deine Lebensgeschichte sehr tief beeindruckt und vor allem heute bist du 80, ich bin 71, also du bist noch ein Stück älter als ich, weil mich das so beeindruckt hat, wie du von einem Tiefpunkt wieder aufgestanden bist und jetzt vor ein paar Tagen ein Buch über genau dieses Gebiet veröffentlicht hast. Magst du mir ein bisschen erzählen? Okay, ja. Ich bin durch einige Tiefs gegangen in meinem Leben, das ein ganz schwieriges Tief war, 1992. Ich hatte damals mit einem Freund ein Architekturbüro, wir waren gerade in der Fertigstellung einer grossen Siedlung, und ich habe Tag und Nacht gearbeitet bis zum Zusammenbruch. Und plötzlich finde ich mich wieder in einem Spitalbett mit allen Geräten rundherum, ich hatte beidseitig das Gehör verloren, unter Stress, und das war eine wirklich eine ganz, ganz schlimme, schlimme Zeit. Ich habe dann Glück gehabt, ich habe mein Gehör fast vollständig zurückgehalten, dank neuer Medizintechnik. Aber das war ein Schuss vor den Bug. Und die Ärztin sagt mir beim Schlussgespräch, Herr Roth, jetzt müssen Sie Ihre ganze Lebenssituation überdenken. Wenn Sie so weiterarbeiten, machen Sie sich kaputt. Im Moment, wo sie diesen Satz gesagt hat, wusste ich genau, ich weiss, was ich machen werde. Wie alt wartest du damals? Ich war 46. Und rückblickend ist auch interessant zu sehen, ich habe sehr viele Parallelen in meinem Leben zu meinem Vater. Das war der berühmte Architekt Emil Roth. Und er hatte mit 46 seine ganz grosse Lebenskrise und es schien mir wie eine Lebenswiederholung zu sein. Genau, du hast damals, warst du verheiratet, zwei Kinder in Zürich in einer Genossenschaft gemohnt? Ja, das zweite Kind war damals noch nicht geboren. Ich hatte, erst Carla war auf der Welt. Und dann ist etwas ganz Schlimmes passiert im Spital, nämlich diese kleine Carla, sie war damals vier oder nicht ganz vier, kommt mich besuchen im Spital. und verabschiedet sich wieder und geht hinaus. Und ich musste eine gewisse Therapie machen, wo ich ein spezielles Gasgemisch einatmen musste. Und ich musste dazu eine rote Maske anziehen, eine Art Maske, und ich habe das so gleich gemacht. Und dann kommt Carla zurück ins Zimmer, weil sie etwas vergessen hatte, und sieht ihren Vater mit dieser Maske und ist dermassen erschrocken. Und diese Maske war orange -rot. Und sie ist schreiend hinaus gerannt und wollte von diesem Moment an ihren Vater nicht mehr sehen. Später war ich dann zur Erholung in einem Erholungsheim in Braunwald und dort ist sie mich dann besuchen gekommen, aber das war ein zusätzlicher Schmerz, dieses Mädchen für Monate nicht zu sehen. Ja, wow. Und dann, woher hast du die Kraft genommen? Also die Ärztin hat dir gesagt, alles umstellen, Herr Roth? Ja, und ich habe soviel gedacht, ich habe mich mein ganzes Leben lang leidenschaftlich mit Geometrie beschäftigt, das war meine große Liebe, meine große Leidenschaft und ich habe gesagt, das mache ich jetzt zu meinem Beruf, aber wieso das geschehen, wenn du eine Familie hast, wie ernährst du dich? Glücklicherweise hatte ich immer eine Anstellung an der Schule, an der ZHDK, mit einem kleinen Pensum, aber mindestens so, dass ein bisschen Geld rein kam jeden Monat. Wir wohnten sehr, sehr preisgünstig in dieser selbstverwalteten Genossenschaft, das half natürlich auch. Aber finanziell sind wir wirklich unten durch über Jahre. Und dann? Und dann? Da hast du angefangen zu malen und ich kann mir Geometrie gar nicht vorstellen. Das fühlt mich immer mit Linealen verbunden. Die meisten Leute kennen ja Geometrie nur als lästiges Schuhfach und wissen gar nicht, dass Geometrie ein grosses Kulturgut ist. Geometrie ist etwas, was im Orient oder in Japan absolute Selbstverständlichkeit ist. Und Geometrie ist eine ganz schöpferische Kraft, wenn man daraus versteht, etwas zu entwickeln. Ich bin dann viel später im Iran gereist und habe diese unwahrscheinlichen Pattern an diesen Moscheen gesehen. Also umwerfend schön. Ich habe immer bewundert Architekten, die in ihren Projekten Geometrie und Raum verbinden können. Das hat mich auch angesprochen in den eigenen Projekten. Geometrie ist sehr, sehr viel mehr als ein Schufa. Wo hast du denn angefangen, das umzusetzen, die Geometrie mit dem Bauen, mit dem Ingenieurwesen? Ich war 19. Ich hatte gerade die Matura gemacht. Und statt Mathematik zu studieren, bin ich abgehauen nach Genf in ein Architekturbüro. Und dort habe ich eine Art abgekürzte Barzeichnerlehre gemacht. Und dort entstand mein Opus I. Und mein Opus 1 war eine witzige Geschichte, nämlich damals waren gerade Betonformsteine en vogue und überall wurde gepflastert, was das Zeug hält, aber diese Steine waren so potthässlich und ich habe mir gedacht, ich könnte einen viel raffinierten Stein entwickeln und habe ein Siebeneck mit einer einspringenden Ecke entwickelt und habe mir vorgestellt, wie man, was für schöne Muster man da legen könnte. Kurz nach diesem Hörsturz gab es die Möglichkeit, sich zu bewerten für eine Ausstellung im Haus Konstruktiv, damals noch im Seefeld. Und ich habe ein Projekt für eine Anamorphose eingegeben mit drei Objekten. Also Anamorphose heisst? Anamorphose sind Objekte, die von einem bestimmten Standort aus, von einem Blickpunkt aus sehen wie etwas. In Tat und Wahrheit, aber völlig anders konstruiert sind. Und wenn man von diesem Punkt weggeht, sind es Objekte, die sich seltsam verändern. Ein solches Projekt habe ich eingegeben und zu einem grossen Erstaunen wurde ich gleich angenommen und ich konnte dort meine erste Ausstellung realisieren. Nur, das hat sehr viel Geld gekostet, statt Geld einzubringen. Und ich hatte dann Glück, dass eine Stiftung diese Arbeit sehr schön fand und mir wenigstens alle materiellen Kosten ersetzt hat. Das war eigentlich ein guter Start, aber nachher ging es ganz, ganz harzig vorwärts. Und es dauerte eine Weile, bis ich bekannt wurde. Und eigentlich als wirklich erfolgreiche Aufträge, die kamen erst später. Die kamen als Folge eines Artikels im Tech 21 über meine Liebe zur Geometrie. Okay, spannend. Also ich kenne von dir das Dach der Fischerstube in Zürich. Ja, das ist einer meiner Hauptwerke, aber wahrscheinlich mein interessantestes Werk und mein schwierigstes Werk ist die Fassade des Vorarlbergmuseums in Bregenz, die ich für chukwisch Nachbauer machen durfte. Das war eine ganz tolle Aufgabe. Das Konzept für diese Fassade... Er stammte von einem Künstler aus Bozen, von Manfred Alice Mayer, und er wollte diese riesige Fassade, die fast keine Fenster hatte, schmücken, mit Tausenden von Blumen. Und seine Blumen waren nicht gewöhnliche Blumen, sondern waren Abdrücke von Böden von Petflaschen. Und zwar hat er gesagt, ich möchte das billigste Gefäß des 21. Jahrhunderts, ein Ding, das man einfach missachtet und fortschmeißt, schaut doch her, das ist ja eine wunderbare Blume, und die möchte ich abformen an dieser Fassade. Aber dann war das Problem, das waren mehr als 16 .000 Stück, und die sind überhaupt angeordnet. Und dann hatte ich den Auftrag, eine Punkteordnung zu erstellen, und es war eine Punkteordnung des 21. Jahrhunderts, also nicht mehr ein simples repetitives Musterli, sondern eine ganz hochkomplexe Geschichte. Es war die schwierigste Aufgabe meines Lebens und ich bin beinahe daran gescheitert. Heute bin ich wahnsinnig stolz auf dieses Werk. Du hast mir mal erklärt, was diese Formen sind, die sich nie repetieren. Ich habe es eigentlich nicht verstanden, aber ich sehe es. Oder es ist etwas ganz Schwieriges, das kann nicht jeder einfach so verstehen. Wie nimmt man so ein Muster? Also, wer mein Buch, das jetzt gerade rausgekommen ist, bei Scheiwe Grundspiess, die Liebe zur Geometrie, konsultiert, der findet dort... drei Typen von Mustern beschrieben. A, das sind die gewöhnchen periodischen Muster, die wir kennen von allen Stoffen, die haben einen Rapport, der sich durch Verschieben repetiert. B, sind es aperiodische Muster, die haben eine sonderbare Eigenschaft, die breiten sich systematisch aus bis in die Endlichkeit ohne Repetition. Das heisst, lokal werden die Teile dauernd repetiert, aber als Ganzes lässt sich dieses Muster nie mit sich selbst zur Deckung bringen. Und C finden Sie in diesem Buch ein drittes Kategorienmuster und das ist meine eigene Kreation. Das sind sogenannte quasi chaotische Muster. Und die sind völlig anders. Die sind auf den ersten Blick, wie man gut aus Schweizerdeutsch sagen würde, eschrisimisi. Das ist ein totales Durcheinander. Man sieht überhaupt keine Ordnung. Sie bestehen aber nur aus ganz wenigen Elementen. Und es ist ein grosses Rätsel, wie diese Muster entstehen. Ich kann etwas hinzufügen. Es gibt eine ganz starke Ordnung im Hintergrund dieser Muster, die man aber nicht sieht. Das ist der Trick. Und ich hatte 2001 den Auftrag von Herzog Tömeron, für sie ein solches Muster zu entwickeln, für einen kleinen Hotelturm in Manhattan. Leider wurde dieses Projekt dann nicht realisiert. Ich wäre stolz, wenn das jetzt in Manhattan stehen würde. Also du hast mit fast 60 eigentlich dieses neue Thema entwickelt. Ja, durch einen Zufall bin ich überhaupt zu dieser Anfrage von Herzog Tömeron gekommen. Und mein ganzes Leben ist geprägt von unglaublichen Zufällen. Meinst du, ist es ein Zufall? Ja, das ist genau die Frage. Im Buch gibt es einen Artikel von Andreas Djokovic von Prägens mit dem Titel Zufall oder nicht. Und dort beschreibt er gerade, auf welche abenteuerliche Weise er zu mir gekommen ist. Und ich war damals für diese Aufgabe in Prägens genau die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wow, schön. Und das ist mir öfters passiert. Mhm. Aber dafür muss man sich ja auch einlassen mit der Umwelt, oder? Natürlich. Natürlich muss es offen sein für Neues. Und Was für mich meine Arbeit, die ich da mache, die gibt mir unglaublich viel Befriedigung. Ich bin jetzt bald 80 und ich gehe tagtäglich ins Atelier nach Zürich und ich freue mich, neue Dinge anzupacken. Das Interessante ist, dass es im Bereich der Geometrie noch ganz, ganz viele ungelöste Probleme gibt. Ein Teil meiner Arbeit ist nicht angewandte Geometrie, sondern ist reine mathematische Forschung. Und eine meiner Heureikan Erlebnisse... 2007, als ich Polyhedra entdeckte, die reguläre Siebenecke an ihrer Oberfläche haben, 16 Stück. Und als ich das in einem Kongress an der ETH zeigte, wurde der ganze Saal unruhig und ich hatte den ganzen Saal gegen mich. Und jeder hat gedacht, nein, um Himmels willen, das gibt es doch nicht. Und ich konnte zum guten Glück das Publikum gerade beruhigen, indem ich einen ganz, ganz simplen Beweis liefern konnte, dass das mathematisch korrekt ist. Und jetzt an der Buchvernissage habe ich genau diese Geschichte wieder erzählt. Das war dann seine Riesenbefriedigung, das gefunden zu haben. Es ist eine unglaubliche Geschichte, wie man von einem Tiefpunkt dranbleiben kann an dem, was einen wirklich interessiert, das Herzblut. Genau. Und dann wieder aufsteht und nicht nur dort, wo man gewesen ist, sondern weit darüber hinaus, oder? Ja, damals, als ich diesen Hörsturz hatte, war das nicht mein einziges Problem. Ich hatte ganz viele weitere Baustellen, eine Ehe, die in der Krise war, die dann später zu einer Scheidung geführt hat. Und dann fand ich eine Partnerin. Und die hat von Anfang an meine Leidenschaft für diese Geometrie nicht nur akzeptiert, sondern absolut gefördert. Das war eine riesige Unterstützung, die ich über Jahre bekommen habe. Sie hat gesagt, ich verstehe zwar nichts von einer Geometrie, aber ich verstehe, dass das für dich ganz, ganz wichtig ist. Und ich möchte dir Raum schaffen, dass du das realisieren kannst. Du hast deine Muse gefunden oder sie hat dein Muse gefunden? Ja, wir haben uns gefunden. Und ich spürte innerlich, es geht immer, es geht aufwärts, immer, eigentlich jedes Jahr, mit der Zeit auch ein bisschen kommerziell. Ich habe dann erste Aufträge erhalten von Architekturbüros, für sie schwierige Aufgaben zu lösen. Dann wurden diese Arbeiten publiziert, dann hat sich es rumgesprochen. Bis zu einer Situation, wo dann ein grösser Artikel über mein Werk kam im Tech 21, und da kamen so viele Anfragen, dass ich gar nicht antworten musste. Nein, ich bin ein Ein -Mann -Büro, ich kann diese Ich kann diese Arbeit nicht annehmen, höchstens eine pro Jahr. Ich war dann ein Rosinenpicker und habe die allerschönsten Aufträge herausgepickt. Es kamen Aufträge von der Stadt Zürich, es kamen Aufträge von... Ein wunderschöner Auftrag war die Gestaltung der Treppenaufgänge auf die Neue Hartbrücke. Das waren fünf Treppen, die ich in Gemeinschaftsarbeit mit einem tollen Ingenieur und einem sehr guten Architekturbüro machen konnte. Das war grossartig, wenn man solche Paare findet. Ich habe immer gesagt... Wir haben diese Treppen am Echavisplatz und der Hartbrücke im Trio gemacht. Und damit ein Trio gut funktioniert, müssen wir alle gute Musiker sein. Das ist mal die erste Voraussetzung. Die zweite Voraussetzung ist, sie müssen sich mögen. Und dann muss man aufeinander hören. Man muss das miteinander machen. Mir schien, wir hätten da eine ganz tolle Konstellation gefunden und haben diese super eleganten Treppen gemacht, die so schwerelos da hinaufgehen. In Wirklichkeit ist es statisch ein ziemlicher Kraftakt, aber das sieht man nicht. Wir haben das ganz elegant lösen können. Interessanterweise, du hast mir das mal gezeigt und ich bin da hochgegangen, und man hat das Gefühl von Weite, wenn man diese Treppen hochgeht. Normalerweise am Bahnhof hat man immer so ein bisschen Angst, oder? Und hier hat man einfach das Gefühl, ich gehe wie eine Prinzessin, diesen Aufgang, oder? Ja, und es gab schon früher Treppenaufgänge zu diesen Busstationen auf der Brücke und die waren eine absolute Katastrophe, eng, klostrophob und es war eine Zumutung, dort hinaufzugehen. Und dann haben wir zu Treppen geschossen, nein, jetzt machen wir exakt das Gegenteil. Eine Treppe, die royal hinaufgeht, eine Treppe, die man gerne begeht. Und dann sieht man, was gute Architekten machen können. Die Architekten, die spielten eigentlich die erste Geige in diesem Trio, und die waren dabei von der ersten Idee bis zur Ausführung. Und sie haben das Ganze von wirklich von A bis Z bewältigt. Also dazu gehört ein simples Ding, dass man einen schönen Handlauf macht. Ein Handlauf, den man gerne in die Hand nimmt. Ich habe dafür gesorgt, dass die Treppe gut begehbar ist, dass man ganz locker da hinauf geht. Das ist eine Geometrieaufgabe. Schön, ja. Ja, es war ein ganz, ganz gutes Erlebnis. Vielleicht noch zurück. Du weißt, mein Podcast richtet sich ja in Zeiten, wo es nicht so ganz einfach ist für uns alle, an Leute, um etwas Mut zu machen, um Hoffnung zu schöpfen. Da würde mich interessieren, der heutige Urs, der hier an der Sonne, an der Sonne über den Dächern vom Winterthur sitzt. Fast 80, was würdest du dem 46 -jährigen sagen? Das ist eine gute Frage. Also vor dem Zusammenbruch? Vor dem Zusammenbruch. Weil er mit dem Hamsterrad sich gedreht hat? Ja. Hör auf dein Inneres, genau das habe ich nicht gemacht. Eigentlich war mir ja schon längst klar, dass meine Bestimmung ist diese gestalterische Geometrie. Das ist eigentlich meine Bestimmung, aber ich habe nicht darauf gehört und habe geglaubt. Das war die Illusion. Ich habe geglaubt, ohne mich würde nichts funktionieren. Ich muss Tag und Nacht arbeiten. Und plötzlich war ich drei Monate weg vom Fenster. Und was ist geschehen? Diese Siedlung wurde fertig. Ohne mich, ohne Schalke, da sind andere Leute eingesprungen. Ich ging dann später zur Einweihung. Ich hatte meine Rolle in diesem Architekturbüro, in meinem eigenen Architekturbüro, völlig falsch angeschätzt. Und das ist eine Form von Betriebsblindheit. Es war eigentlich nur dumm, so zu arbeiten. Aber das merkt man natürlich erst im Nachhinein. Genau. Und viele Leute arbeiten heute ja so. Man versucht, Geld zu machen für die Familie, die Kinder, der Stress. Und du meinst, noch zusätzlich zu all dem muss man sich selber finden. Wie geht denn das? Ja, das stimmt. Also rückblickend gesehen ist natürlich die Situation mit einer jungen Familie und Beruf. Und es ist schon anstrengend mit Kindern. Man schläft schlecht, in der Nacht muss man aufstehen und ein Kind trösten. Dann ist man die berufliche Anspannung, finanzielle Anspannung. Die Anforderungen sind im Leben nie so verrückt. konzentriert, wie in dieser frühen Familienphase, und jetzt, viele Jahre später, kann ich ganz locker das Leben. Das ist eine gewaltige Verbesserung. Eben, und du würdest jetzt einem jungen Urs oder anderen Menschen in dem Prozess sagen, finde dich selbst, wie geht das? Ja, und man muss sehen, dass wenn man diesen eigenen Weg geht, und ich habe das auch meinen Töchtern, ich habe drei Töchtern, immer empfohlen, sucht wirklich euren eigenen Weg, den ihr innerlich spürt. Das hat natürlich gewisse Folgen zum Beispiel, dass man vielleicht finanziell, wie in unserem Fall, ganz, ganz tief unten durch muss. Aber es hat sich im Rückblick, diese Empirungen haben sich gelohnt. Und wir haben das Interessante gelernt. Wir haben zum Beispiel in der Familie gelernt, mit ganz, ganz wenig Geld auszukommen. Und wir haben uns Ferien geleistet mit unseren Kindern. Zum Beispiel in einem Atelier eines Freundes in Italien, wo wir 70 Franken in der Woche zahlen mussten. und wir haben selbst gekocht und wir hatten es lustig und wir haben ganz, ganz einfach gelebt. Also keine Angst haben vor dem sich selber entdecken. Überhaupt nicht. Es hat sich gelohnt. Es hat sich gelohnt, ja. Und ich glaube, ich sehe Leute, die unglaublich viel Geld haben und unglaublich viel Ware sich angeschafft haben mit diesem Geld und die unglaublichsten Reisen machen. Und ich zweifle daran, ob das wirklich so glücklich macht. Ich habe Also meine allergrößten Glücksgefühle, die ich erlebe, erlebe ich oft in der Arbeit, manchmal mit ganz kleinen Dingen, wo ich eine kleine Entdeckung mache. Und ich mache einen Juchzer, wenn ich wieder sage, aha, so ist das. Und jetzt mache ich wunderbare Entdeckungen zusammen mit meinem jüngsten Enkel, der ist bald sechs. Und das ist eine ganz tolle Erfahrung, dieser Bub. Und ich freue mich, wie der sich entwickelt. Und mit ihm zusammen einen Turm bauen ist ein Riesenvergnügen. Ich erlebe nun dieses Kind viel entspannter als meine eigenen Kinder, weil am Montagabend gehe ich ganz locker, erfreut nach Hause. Ich habe keine Erziehungsverantwortung für ihn. Ich kann ihn einfach den Eltern zurücklassen und gehe schmunzeln heim. Also, danke vielmals für das Gespräch, Urs Roth. Merci. Gern geschehen. Die Musik zu diesem Podcast sind Aufnahmen von meinen Freunden Asel Abilzaitova, Klavier, und Sergio Marin, Violin. Sie spielen in den letzten Monaten in verschiedenen Kirchen in der Schweiz unter dem Titel «Rekiem ohne Worte – eine Messe in Tönen». Zum Schluss möchte ich dich einladen, einen Moment Zeit zu nehmen und folgende Fragen in den Kommentar zu beantworten. In welchen Momenten hast du das Gefühl, ganz du selbst zu sein, nicht nur zu funktionieren? Und wie sähe dein Alltag aus, wenn du öfters aus diesem inneren Ort heraus entscheiden würdest, statt von der Pflicht und der Gewohnheit? Das war Traces of Light, ein Podcast von Elspeth Hombati, die auf der Suche nach Menschen und Gemeinschaften ist, die in diesen schwierigen Zeiten Mut machen.