Traces of light

Elsbeth Horbaty
Since 10/2024 25 Episoden

#25 Diese Frau bringt nicht nur Kinder, sondern Mut zur Welt

20.04.2026 23 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge von Traces of Light spricht Elsbeth Horbaty mit ihrer Nachbarin Corinne Giovanoli – Hebamme, Mutter von vier Kindern und engagierte Mitgestalterin ihrer Genossenschaft. Corinne begleitet seit vielen Jahren Geburten und erlebt dabei immer wieder, wie nah Freude, Angst, Hoffnung und Trauer beieinander liegen. 

In dieser Folge von Traces of Light spricht Elsbeth Horbaty mit ihrer Nachbarin Corinne Giovanoli – Hebamme, Mutter von vier Kindern und engagierte Mitgestalterin ihrer Genossenschaft. Corinne begleitet seit vielen Jahren Geburten und erlebt dabei immer wieder, wie nah Freude, Angst, Hoffnung und Trauer beieinander liegen.

Im Gespräch erzählt sie, wie sie ihren Weg zum Hebammenberuf gefunden hat, was sie nach über 700 beziehungsweise fast 1’000 begleiteten Geburten noch immer an dieser Arbeit bewegt und warum Geburt für sie ein zutiefst menschlicher Moment ist. Es geht um Vertrauen in den eigenen Körper, um die Kraft, die Frauen während einer Geburt entwickeln, und um die Frage, wie man in intensiven Lebensmomenten Schritt für Schritt im Hier und Jetzt bleiben kann.

Gleichzeitig wird deutlich, unter welchem Druck Hebammen heute arbeiten: Personalmangel, hohe Verantwortung und zu wenig Raum für Erholung erschweren eine Begleitung, die eigentlich Zeit, Präsenz und Menschlichkeit braucht. Corinne beschreibt eindrücklich, warum genau diese Form von echter Zuwendung für Frauen während der Geburt so entscheidend ist – und weshalb der Beginn eines neuen Lebens trotz allem ein starkes Zeichen von Hoffnung bleibt.

Eine Folge über stille Stärke, gelebte Fürsorge und die kleinen Lichtspuren, die selbst in schwierigen Zeiten sichtbar werden.

Fragen aus der Folge
Wo begegnest du in deinem Leben kleinen Lichtspuren?
Und was hilft dir, in Momenten von Unsicherheit oder Angst wieder ins Vertrauen zu kommen?

Transkript

Willkommen bei Traces of Light. Elsbeth Horbaty nimmt dich mit auf die Suche nach Menschen und Gemeinschaften, die in diesen schwierigen Zeiten Mut machen. Heute spreche ich von Menschen, die mit ihrer Arbeit und ihrer Haltung im Alltag uns allen Mut schenken. Oft sind es Frauen, die still und stetig wirken und uns dadurch Tag für Tag Kraft geben. In meinem Podcast nenne ich sie manchmal Glühwürmchen, eines von den vielen kleinen Lichtern, die unsere Welt erhellen, trotz allem. Heute spreche ich mit so einer Frau, Corinne Giovanoli. Sie ist Hebamme. Sie hat über 1'000 Kinder auf die Welt begleitet und ist dabei immer wieder mitten im Spannungsfeld von Freude, Angst und manchmal auch Trauer. Ich kenne Corinne seit einigen Jahren als meine Nachbarin in der Genossenschaft Mehr als Wohnen in Oberwinterthur. Was mich an ihr beeindruckt, ist ihre ruhige Art, im Alltag Licht zu tragen, ohne viel darüber zu sprechen. Sie ist Mutter von vier Kindern und engagiert sich in einer leitenden Rolle in der Genossenschaft. Ich wollte von ihr wissen: Wie lebt man mit so viel Verantwortung, mit so vielen heftigen Gefühlen bei der Arbeit, Großfamilie und Mitarbeit in einer Genossenschaft? Und wo findet man mitten in diesen intensiven Momenten international gesehen immer wieder kleine Spuren von Licht? Darüber sprechen wir heute. Heute bin ich hier mit Corinne Giovanoli. Sie ist meine Nachbarin in der Genossenschaft Mehr als Wohnen in Oberwinterthur. Ich kenne sie schon jetzt fast fünf Jahre. Sie arbeitet sehr viel hier in der Genossenschaft, hat selbst vier Kinder und, wie sie mir mal erzählt hat, mehr als 700 Kinder auf die Welt gebracht. Ich habe sie zum Gespräch eingeladen, weil sie für mich diese Lichtspuren, die ich in meinem Podcast suche, im Alltag repräsentiert. Du machst so viele Dinge. Wie bewältigst du deinen Alltag? Heute sind wir alle immer Stress, Stress, Stress, aber du machst überhaupt nicht diesen Eindruck. Wie machst du das? Jetzt kannst du einfach reden. Ja, genau. Es freut mich sehr, dass ich mit dir heute dieses Gespräch führen darf. Ich denke, es hat vielleicht mit meiner Grundeinstellung zu tun, dass ich immer gerne mit Menschen zusammen bin. Dass ich diese Verschiedenheit oder auch Interaktion sehr mag und auch sehr spannend finde in meinem Leben. Für mich war es sicher, gerade wo meine vier Kinder noch kleiner waren, sehr anstrengend. Ich musste viele verschiedene Themen unter einen Hut bringen. Meine Kinder sind in einem größeren Altersabstand. Auch da war ich immer gleichzeitig bei verschiedensten Alltagsthemen beschäftigt. Gleichzeitig war mein Beruf auch gefordert, gerade in dieser Unregelmäßigkeit des Alltags, dass keine Woche gleich war wie die andere. Ich habe unregelmäßig immer gearbeitet. Das ging sicher nur, weil ich einen Partner hatte, der das mitgetragen hat, der immer seinen Teil mitgeholfen und mitgearbeitet hat. Irgendwie ist es so gegangen, aber wenn ich manchmal zurückdenke, war ich sicher auch viele Jahre immer an meinem Limit, auch von meiner Energie und meinen Möglichkeiten. Jetzt sind meine Kinder etwas älter und ich habe diesen Beruf schon viele Jahre ausgeübt als Hebamme. Ich hatte auch Lust, mal noch etwas anderes zu tun, vielleicht mich mit anderen Themen auseinanderzusetzen. So sind wir in diese Genossenschaft gezogen. Ich habe mich gefreut, dass wir hier eine Wohnung bekommen haben. Ich habe schon länger immer wieder überlegt und gewünscht, in einer Genossenschaft zu leben. Ich habe dann mit großer Vorfreude mit angepackt. Ich habe mich diesen Themen angenommen, die sich gestellt haben. Ich bin auch mit ganz vielen neuen Menschen in Kontakt gekommen und habe versucht, mich positiv einzubringen und etwas auf die Beine zu stellen und etwas für die Gemeinschaft zu bewirken. Ich finde, das ist nach wie vor etwas sehr Spannendes. Ich bin jetzt auch immer wieder mit Männern in Kontakt, was ich in meinem Beruf eigentlich wenig habe. Ich bin eigentlich immer mit vielen Frauen umgeben. Ich finde das auch eine spannende Auseinandersetzung. Es sind wirklich noch einmal ganz andere Themen, als ich jetzt in meinem Berufsalltag habe. Und zu deinem Beruf? Wie bist du damals auf die Idee gekommen, Hebamme zu werden? Was hat dich inspiriert? Genau, ich war noch relativ jung. Ich war ungefähr 14 Jahre alt. Meine Mutter hat mir einfach die Idee gegeben: Das wäre für dich, Hebamme, das finde ich einen spannenden Beruf. Irgendwie habe ich das Gefühl, das würde zu dir passen. Schau das mal an. Ich durfte dann tatsächlich mit einer Hebamme, vielleicht ein Jahr oder zwei Jahre später, eine Nachtwache in einem Spital verbringen. Ich durfte dort auch zum ersten Mal bei einer Geburt dabei sein. Das war schon ein Schlüsselmoment, wo ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Dann musste natürlich auch noch mal Zeit vergehen, ich habe meine Schule abgeschlossen, ich habe dann Praktika gemacht, auch noch mal in einem Spital. Ich habe da eigentlich auch noch mal einen Weg zurückgelegt, bis ich die Aufnahmeprüfung bestanden habe und in Luzern dann meine Hebammen-Ausbildung angefangen habe. Schön, das sind jetzt wie viele Jahre her? Genau, ich habe 2001 meine Ausbildung abgeschlossen und damals hat die noch drei Jahre gedauert. Man musste aber mindestens 18 Jahre alt sein und man musste auch schon ein Jahr vorher Praktika gemacht haben in diesem Bereich Spital oder mit Familie und Kleinkindern usw. Da war ich ein Jahr damit beschäftigt und bin dann in die Ausbildung gestartet. Hast du wirklich die Geburten gezählt? Weißt du jede Geburt noch? Oder schreibst du sie irgendwo auf? Ja, ich habe das wirklich angefangen. Gerade als ich diplomiert war, habe ich ein gelbes Buch gestartet, wo ich jede Geburt eigentlich eingeschrieben habe. Aber ich kann mich wirklich lange nicht mehr an alle Geburten erinnern. Ich habe da auch nur einfach eine kurze Notiz eingeschrieben. Also ich habe nicht da die ganze Geburt dokumentiert, sondern wirklich nur kurz die Geburt umschrieben und dann gezählt und somit weiß ich ungefähr, vielleicht habe ich die eine oder andere Geburt vergessen einzutragen, aber ungefähr weiß ich, wie viele Geburten das sind bis jetzt. Das wären? Ja, ich glaube eben, es sind schon mehr als diese 700. Genau, ich habe auch unterschiedliche Kaiserschnitte, die ich begleitet habe und die Spontangeburten und ja, ich würde sagen, insgesamt mit allen Kaiserschnitten auch noch dazu sind es wohl bald tausend. Wow, das sind also 300 mehr, seit wir uns kennengelernt haben vor vier, fünf Jahren. Ja, vielleicht habe ich dort auch einfach nur die Spontangeburten erzählt oder von denen gesagt, aber eigentlich ja, insgesamt sind es sicher schon ein bisschen mehr. Also über tausend Geburten, das ist ja... Ich kann mir vorstellen, dass ich ein Kind geboren habe und danach schon völlig fertig war. Wenn man das jetzt tausendmal mithilft, hast du ein enormes Wissen, aber trotzdem sind die Gefühle von allen Menschen immer sehr groß. Ich kann mir vorstellen, viele sind fröhlich, glücklich, freudig, aber auch Angst hat man. Oder vielleicht auch manchmal sehr traurig, wenn ein Kind tot auf die Welt kommt. Wie managt man solche Gefühle den ganzen Tag? Wie du sagst, ist das wirklich ein Auf und Ab. Ich glaube, was mich bis heute enorm fasziniert an diesem Beruf, ist, dass man so nahe am Leben dran ist. Wie wahrscheinlich in wenigen Momenten in einem Leben ist man so nahe bei den Gefühlen, aber auch bei der Echtheit, wie die Situation gerade ist. Sei das eben Glück, sei das auch Trauer natürlich. Ich begleite auch Familien, die ein Kind verloren haben. Ich begleite Frauen unter der Geburt, die ein totes Kind gebären. Da ist natürlich das Leid und manchmal auch die Freude so nahe beieinander. Und doch ist es nach wie vor ein Riesenglück, bei diesen so bewegenden Momenten dabei sein zu dürfen. Das ist auch ein Geschenk für alle beteiligten Personen, bei einer solchen Geburt dabei sein zu dürfen. Aber das braucht Nerven aus Stahl. Welche Übungen machst du, um das alles auszuhalten? Ja, ich denke schon, das lernt man auch mit der Zeit, damit vielleicht besser umzugehen. Ja, dass man auch dazwischen sich erholen kann, dass man auch Distanz dazu bekommt. Ich glaube, da hat mir auch immer geholfen, dass ich wie eine zweite Rolle habe zu Hause als Mutter mit meinen Kindern. Da sind die verschiedensten Themen, die einen auch wieder ablenken oder auch wieder Distanz zur Gebärabteilung bringen. Und ich muss auch sagen, ich habe viele Jahre in Abteilzeit gearbeitet und ich glaube, für mich hat das auch gepasst, diese Zeit dazwischen zu haben, um mich zu regenerieren. Ich merke das auch heute. Ja, in den Spitälern gerade, wo die Situation so ist, dass immer zu wenig Personal zur Verfügung steht. Auch junge Hebammen, die hochprozentig arbeiten, tun das nur für kurze Zeit und müssen ihr Pensum reduzieren, weil sie das nicht auf die Dauer tragen oder aushalten können. Ich glaube, das beschäftigt mich auch. Ich denke, wir übernehmen so viel Verantwortung, wir sind so präsent und tragen vieles mit. Ich denke, es bräuchte dringend Erholungstage dazwischen. Das ist kein Job, den man von neun bis fünf Uhr und am Wochenende frei hat. Ja, wo das wirklich nötig wäre, dass man vielleicht mit Stunden für 80 Prozent doch eigentlich dann schon eine 100-Prozent-Stelle bezahlt bekommen würde. Weil das ist einfach die Realität, dass die meisten, die noch hochprozentig arbeiten, nicht über 80 Prozent arbeiten, weil sie diese Erholungszeit dazwischen einfach dringend noch brauchen und das nötig ist. Und ist das irgendwo politisch im Gespräch? Setzt sich Gewerkschaft dafür ein? Ja, ich glaube, was auch ein bisschen schwierig ist, der Hebammenverband ist sicher nicht sehr groß, aber das wird natürlich auch in Verbänden für die Pflege allgemein diskutiert. Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen in der Republik von dieser Neurowissenschaftlerin, die eben gesagt hat, wenn wir immer Angst haben, dann macht das etwas mit uns und wir werden eher krank als gesund. Währenddessen, wenn man eben Hoffnung trägt und unterstützt, kann es sein, dass man immer größer oder ruhiger wird und mehr Ideen hat, auch mehr Arbeitskraft hat. Und mir scheint, du bist so eine Person, die das ausstrahlt. Wir leben in sehr schwierigen Zeiten. Klar haben wir es schön in der Schweiz. Wir leben ein bisschen in einer Blase, wo es uns gut geht. Aber trotzdem, diese Angst macht sich auch spürbar unter den Menschen. Merkst du das auch dort, wo du arbeitest? Ich denke, das lässt uns alle nicht kalt, ich glaube aber schon so, dass eigentlich diese Kraft, die eine Geburt braucht oder da auch zum Vorschein kommt, dass das auch enorm Mut geben kann. Da ist sicher in unserer Zeit so, dass vieles technisiert worden ist in der Medizin. Und da denke ich gerade auch in die Schwangerschaftsvorsorge, wo man mit vielen Themen als Frau schon konfrontiert wird in Bezug auf die Schwangerschaft, die vielleicht nicht so förderlich sind. Selbstvertrauen, das Vertrauen in den eigenen Körper, das Vertrauen auf ein gesundes Kind. Oder auch das Vertrauen, in die Geburt starten zu können. Ich glaube, da kann man ganz viel in der Schwangerschaft, oder das fände ich auch wichtig, dass man vieles in der Schwangerschaft schon auffängt und auch da schon die Frauen eigentlich darin unterstützt, auf ihren Körper vertrauen zu dürfen. Und natürlich haben wir die ganze Technologie dazu, das hat auch seine Berechtigung. Dennoch empfinde ich das manchmal so, dass dieses Stärken der Frauen und Unterstützen, dass das ein bisschen zu kurz kommt in dieser ganzen Technologie. Also das wäre mir wichtig. Das würde den Frauen helfen, auch mit Zuversicht und Mut in die Geburt starten zu können. Ich finde auch, unter der Geburt gibt es eine Grenzerfahrung. Da lernt man sich vielleicht noch mal ganz anders kennen. Es kann schwierig werden und es kann in die Überforderung gehen. Da begleite ich die Frauen immer so, dass ich mit ihnen Schritt um Schritt durch die Geburt durchgehe. Dass wir nicht zu weit nach vorne überlegen, jetzt geht das noch mal zehn Stunden, oder der Muttermund ist erst ein, zwei Zentimeter offen. Er muss ja jetzt noch bis zehn Zentimeter sich öffnen, die Geburt geht noch so lange. Sondern, dass ich eigentlich mit den Frauen jede halbe Stunde, manchmal jede Stunde, wieder neu schaue: Was ist denn jetzt richtig und wichtig? Und da kann in dieser Minute richtig und wichtig sein, dass sie sich entspannen kann, dass sie in den Wehenpausen sich erholen kann, dass sie wieder Kraft schöpfen kann für die nächste Wehe. Und in einer Stunde kann vielleicht richtig und wichtig sein, dass sie aktiv sein kann, dass sie verschiedene Positionen einnehmen kann, dass sie sich bewegen kann. In den nächsten Stunden ist vielleicht wichtig, einmal in das warme Wasser zu gehen, die Wärme zu spüren. Und vielleicht fühlen sich dann die Wehen ganz anders an. Und das ist nicht immer gleich, es bleibt ja nicht immer gleich. Es ist alles in Bewegung und dynamisch unter der Geburt. Und es verändert sich und es bleibt nicht die ganzen 10, 12, 15 Stunden gleich, sondern das ist ein Prozess und ein Weg. Diesen Weg individuell mit den Frauen zu finden, ist immer wieder der Schlüssel, gut durch die Geburt zu kommen. Genau, deshalb ist es ja auch so wichtig, dass du Zeit dazu hast und auch genügend Zeit eingeplant wird. Das scheint unter dem Druck von Kürzungen, von Streichungen, von Arbeitsplätzen immer schwieriger. Wie erlebst du das? Genau, das finde ich, das ist brisant und ich erlebe das jetzt einfach auch aus der Sicht von Spitälern, von Gebärabteilungen, wo ich jetzt in einer arbeite. Und da ist schon so, dass ich eben finde, gerade in diesen Berufen, wo das Zwischenmenschliche eigentlich so essenziell wichtig ist. Das heißt, dass ich in bestimmten Situationen unter der Geburt wirklich anwesend sein muss und auch sein kann, dass ich da anwesend sein kann, dass das so wichtig ist. Da finde ich, dass umso mehr dieser Personal- oder immer dieser Personalmangel das auch verhindert oder unsere gute Arbeit auch verhindern kann. Natürlich kann man mit Schmerztherapie da vielleicht ein bisschen Zeit gewinnen, dass die Frauen nicht so in diese Grenzerfahrung kommen und dass wir mehrere Frauen gleichzeitig betreuen können. Und dennoch finde ich das eigentlich eine schlechte Entwicklung, denn auch dort und jede Frau hat eigentlich das Anrecht, finde ich, eine Hebamme zur Seite zu haben, wenn sie das braucht. Und da gibt es immer durch die Geburt hindurch Situationen oder Momente, wo das zu einer Grenzerfahrung werden kann, wo man an die Grenzen kommt, wo es einfach dann mir als Hebamme, ja, dass es da einfach nicht ist, dass ich anwesend sein kann und die Frauen auch dadurch begleiten kann. Und für das muss ich mir Zeit nehmen können in diesen Momenten. Und die hast du nicht immer? Die habe ich nicht immer und das ist auch sehr unbefriedigend für uns Hebammen. Ich glaube sogar für die Frauen selber, die da ihren Weg durchfinden, und das ist mir als Hebamme auch ganz wichtig, und ich finde es essenziell, dass die Frauen an sich glauben oder auch diese Kraft spüren, wenn sie unter der Geburt sind. Ja, irgendwie nachher auch gestärkt fast aus diesem Erlebnis herausgehen. Das wäre so mein Anspruch auch, dass wie auch immer diese Geburt abläuft. Ja, da kann ja auch ganz Unvorhergesehenes eintreten. Und ich sage den Frauen immer meist, die Geburten laufen nicht so ab, wie man sich das vorher vorstellt oder sich wünscht. Man muss also ganz offen sein und sich da auch einfach mal in die Situation reinbegeben und sich auch mal spüren, wie fühlt sich das jetzt an? Wie kann ich mit diesen Wehen umgehen? Wie kann ich da einen Weg finden durch diese Geburt. Ich glaube schon, dass das enorm aber auch Kraft geben kann, in dem Sinn, dass man nachher enorm stolz sein darf, dass man das geschafft hat, wie auch immer. Dass man diese Geburt, dieses Kind zur Welt gebracht hat, dass das ein Wunder ist und auch einen in die Zukunft begleitet. Dieser Beginn des Lebens ist hoffnungsvoll, stärkend und da kann man fast nicht unhoffnungsvoll sein. Das ist der Beginn des Lebens, der uns in dieser Geschichte weiterträgt, wie auch immer sie im Moment ist. Dann lassen wir das Interview für heute so mit diesen schönen Worten. Danke vielmals, Corinne. Bitte, gern geschehen. Wenn wir Corinne zuhören, wird einem bewusst, dass Geburt ein Moment ist, in dem so vieles zusammenkommt. Erwartung, Unsicherheit, Freude, Hoffnung, aber auch das, was das Leben ausmacht und sich nicht kontrollieren lässt. Mir scheint, dass ich so Grundsätzliches über das Leben selbst lernen kann. Wir können vieles vorbereiten, aber nicht alles bestimmen. Vertrauen bedeutet für mich, mich einzulassen, auch wenn man dann nicht sicher ist, wie es ausgeht. Und vielleicht liegt genau darin eine leise Form von Hoffnung. Wie immer stelle ich euch zwei Fragen, die ihr gerne im Kommentar beantworten könnt. Wo begegnest du in deinem Leben diesen kleinen Lichtspuren? Und was hilft dir, im Moment von Unsicherheit oder Angst wieder ins Vertrauen zu kommen? Danke, dass du heute zugehört hast. Das war Traces of Light, ein Podcast von Elsbeth Horbaty, die auf der Suche nach Menschen und Gemeinschaften ist, die in diesen schwierigen Zeiten Mut machen.